Am 25. Mai 2011 besuchte eine Gruppe Neugieriger der Piratenpartei Hamburg die Algen-Forschungsanlage von SSC GmbH und E.on Hanse in Hamburg-Reitbrook. Die Bedingungen für Algenwachstum und einen hübschen Ausflug waren bei Sonnenschein und moderaten Temperaturen ideal. Auf der Internetseite von E.on findem man das Projekt unter der Überschrift
Umweltschutzprojekt.
Doktorand Marco Leupold erwartete uns vor Ort und hat uns Versuchsaufbau und Besonderheiten der Algen erklärt.
Auf dem Gelände stehen zwei verschiedene Versuchsanordnungen. Eine uns erläuterte aufwändige Anlage mit einem drehbaren Nachführsystem, das der Sonne folgt und immer den optimalen Licht- und Temperaturbereich einstellt und ein einfacheres System einer anderen Studiengruppe. Mikroalgen wachsen ungern bei mehr als 30°C und bekommen auch "Sonnenbrand" konnten wir lernen.
Die wie Photovoltaik-Module auf dem drehbaren System aufgebauten Algenreaktoren werden von CO2 aus dem Abgas eines eigens dafür betriebenen Erdgas-Blockheizkraftwerks (BHKW) gefüttert. Praktisch, dass die Anlage direkt auf E.ons Gasspeicher steht. Die Anhaftung der Algen an den Innenseiten der transparenten Reaktoren wird durch Druckluftstöße verhindert. Ein insgesamt beindruckender Aufwand und interessante Verfahrenstechnik.
Die Ausbeute von 2 Gramm Algen pro Liter Substrat Flüssigkeit erscheint im Vergleich zu der Energieernte durch Photovoltaik auf gleicher Fläche zwar äußerst gering, bei der Anlage handelt es sich um Grundlagenforschung der Biotechnologie und deren Verfahren. Als ernsthaften Versuch der Energiegewinnung wollten wir das nicht gelten lassen. Energiegewinnung ist aber auch nicht Ziel der Anlage: Marco Leupold betonte die Vielfalt der Grundstoffe, die mit Algen produziert werden können und z.B. in der Kosmetikindustrie über Lebensmittel bis hin zum Einfärben von Lachsen eingesetzt werden. Weniger wertvolle Produktbestandteile der Algenbiomasse können in Biogasanlagen weiter verwendet werden.
Die Piraten begeisterte die Möglichkeit, das aus Abfallstoffen, in diesem Fall das Rauchgas des Blockheizkraftwerks, wieder wertvolles Produkt werden kann.
Solche Bestrebungen sind förderungswürdig. Bei Verwendung öffentlicher Gelder sollen die gewonnenen Erkenntnisse schließlich wieder der Gesellschaft zu Gute kommen. Algenreaktoren sollten aber derzeit nicht unter dem Stichwort Energiegwinnung oder Umwelt betrachtet, sondern nach ihren Chancen als innovative Biotechnologie und Grundstofftechnologie bewertet werden.
Tags: Aktuell, Umwelt & Energie